Hannah Arendt beschäftigt bis heute – Lesung mit ihrem Biografen Willi Winkler am HAG

Lesung mit Willi Winkler, finanziert durch die Stiftung der Sparkasse - Foto von Carmen Altevogt, Kreissparkasse Steinfurt

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Namensgeberin ist am Hannah-Arendt-Gymnasium gelebte Praxis. Sie prägt Unterricht, Projekte und das Selbstverständnis der Schule. Anlässlich des 50. Todestages Hannah Arendts durfte das HAG daher einen besonderen Gast begrüßen: Der Autor, Journalist und Literaturkritiker sowie Arendt-Biograf Willi Winkler war zu einer Lesung und einem Gespräch mit den Schüler_innen der Einführungsphase am 29.01.2026 zu Besuch.

Winkler, der sich intensiv mit Leben und Werk der politischen Denkerin auseinandergesetzt hat, nahm die Stufe mit auf eine Reise durch Arendts bewegtes Leben: von der jungen jüdischen Intellektuellen im Deutschland der 1920er-Jahre über Verfolgung und Flucht ins Exil bis hin zur international einflussreichen politischen Theoretikerin in den USA. Dabei wurde deutlich, wie sehr Arendts Denken aus konkreten Erfahrungen von Diktatur, Entrechtung und Neuanfang entstanden ist.

Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Schulleiterin Angelika Elsermann die Gäste und betonte die Aktualität des Anlasses. Gerade in Zeiten politischer Spannungen und gesellschaftlicher Umbrüche sei die Frage nach Verantwortung, demokratischer Haltung und Zivilcourage von besonderer Bedeutung. Im Anschluss ordnete die Philosophie-Lehrkraft Jan-Philipp Rewer ein, wie die Stufe von ihm und seinen Kolleg_innen fachlich auf die Lesung vorbereitet wurde. Die Einführungsphase hatte sich im Vorfeld bereits mit Arendts Denken beschäftigt – unter anderem mit ihrer Analyse des Eichmann-Prozesses und ihrem Begriff der Verantwortung.

Entsprechend aufmerksam und interessiert verfolgten die Schüler_innen den Vortrag. Im anschließenden Gespräch zeigten sie, wie sehr sie die Thematik bewegt. Besonders eindrücklich war die Frage, wie es gelingen kann, dass, wenn es „hart auf hart“ kommt, nicht nur Einzelne, sondern viele Menschen den Mut aufbringen, Haltung zu zeigen und sich glaubwürdig zu einem „Nie wieder“ zu bekennen.

Im Mittelpunkt des Nachmittags stand daher die Frage, wie Hannah Arendt selbst politisch wurde und auf welche Weise sie Widerstand leistete. Winkler machte deutlich, dass ihr Widerstand nicht spektakulär oder pathetisch war. Er zeigte sich im eigenständigen Denken, im präzisen Analysieren politischer Entwicklungen und im beharrlichen öffentlichen Widerspruch. Arendt bestand darauf, dass jeder Mensch die Verantwortung trägt, selbst zu urteilen – auch und gerade dann, wenn Anpassung einfacher erscheint.

Die Begegnung mit Willi Winkler machte spürbar, dass Hannah Arendt keine ferne historische Figur ist. Ihr Denken fordert auch heute dazu auf, sich einzumischen, Fragen zu stellen und demokratische Werte aktiv zu verteidigen. Für die Schüler_innen der Einführungsphase wurde die Namensgeberin des HAG an diesem Nachmittag auf eindrucksvolle Weise lebendig.

Zurück