Konzept der informatischen Bildung am Hannah-Arendt-Gymnasium
Informatische Bildung als Teil der Allgemeinbildung.
Die rasante Entwicklung auf dem Gebiet der Informationstechnik hat in den letzten Jahren dramatische gesellschaftliche Veränderungen ausgelöst. Die massive Digitalisierung (Multimedia) und die weltweite Vernetzung (Internet) von Informationen haben dazu geführt, dass jedem Mitglied der Gesellschaft der Zugang zu einer gewaltigen Menge von Daten offen steht, sofern es nur über die notwendigen Kenntnisse, Fertigkeiten und technischen Einrichtungen verfügt. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung gehört Grundwissen zum Thema „Information“ heute ebenso zur Allgemeinbildung wie bisher Kenntnisse und Fertigkeiten aus den Fächern Physik („Energie“), Chemie („Stoff“) oder Biologie („Leben“).
Heute finden sich „persönliche Computer“ in beinahe jedem Arbeitszimmer, ja sogar – leider - in vielen Kinderzimmern. Diese Kleincomputer stellen äußerst vielseitige, komplexe Werkzeuge für eine weite Palette von Aufgaben dar. Ihr Einsatz reicht von der Texterstellung über die Internetkommunikation bis zur Steuererklärung und Kontoverwaltung, vom Videoschnitt bis zur Produktion eigener Audio-CDs, von der Paukhilfe für Vokabeln bis zum Computerspiel und stellt doch nur einen kleinen Ausschnitt des Einsatzes von informationstechnischen Systemen (IT-Systemen) dar.
Ein kompetenter, verantwortungsvoller Umgang mit IT-Systemen setzt weitreichende, systematische Kenntnisse über ihren Aufbau, ihre Funktionsweise, ihre innere Struktur, ihre Möglichkeiten und Grenzen voraus, die weit über bloße Bedienerfertigkeiten hinausgeht.
Die Aufgabe der Schule
Unsere weiterbildenden Schulen müssen auf diese Umwälzungen reagieren, um weiterhin ihre zentrale Aufgabe, die Vermittlung von allgemeiner und berufsvorbereitender Bildung, zu erfüllen.
Allerdings können unsere Schülerinen und Schüler mit dem Erlernen von Bedienerfertigkeiten allein nicht hinreichend auf die Wissensgesellschaft vorbereitet werden: Kenntnisse und Fertigkeiten im Umgang mit einem bestimmten Hard- oder Softwaresystem sind nicht ohne weiteres auf andere Systeme übertragbar und daher schnellstens veraltet. Sie beschränken sich im wahrsten Sinne des Wortes auf die Oberfläche des Systems und eröffnen keinen „Blick unter die Haube“. Dadurch ist man den Konstrukteuren auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Zudem führen mangelnde Kenntnisse über die innere Struktur der Systeme leicht zur Überschätzung ihrer Möglichkeiten.
Neben der Schulung von Bedienerfertigkeiten (nach Art eines „Computerführerscheins“) müssen die weiterführenden Schulen deshalb zusätzlich langlebige, übertragbare Grundlagen der Informationstechnologie vermitteln. Ähnlich wie die Physik das Grundlagenwissen für mechanische und thermodynamische Systeme liefert, stellt die Informatik bereits seit Jahrzehnten die entsprechenden Konzepte zum tieferen Verständnis der Informationstechnik bereit. Es ist daher an der Zeit, ihre Erkenntnisse ebenso wie die der Physik, der Chemie oder der Biologie allen Schülerinnen und Schülern in angemessener Weise in einem eigenständigen Pflichtfach zu erschließen.
Das Versagen der Politik
Unser Bildungslandschaft befindet sich im Umbruch. Pisa hat seine Spuren hinterlassen. In fast allen Bundesländern wird die Schulzeit bis zum Abitur von 13 auf 12 Jahre verkürzt. Neue Lehrpläne werden erstellt, Zentrale Prüfungen werden eingeführt usw. Eine gute Gelegenheit um das dringend notwendige Schulfach Informatik in den Schulen einzuführen.
Doch weit gefehlt, nicht nur in Nordrheinwestfalen kommt das Fach Informatik an weiterführenden Schulen nicht vor. Rund 20 Wochenstunden Mathematik und 20 Wochenstunden Naturwissenschaften sollen unsere Schülerinnen und Schüler bis zum Ende der Sek I erhalten. Anzahl der vorgesehenen Pflichtstunden im Fach Informatik: 0 (inWorten: Null). Informatische Kenntnisse sollen in anderen Fächern 'so nebenbei' erworben werden. Das ist so, als sollte man das bisschen Mathematik, das der Mensch wirklich braucht, so nebenbei im Erdkunde- und Biologieunterricht lernen.
Inhalte der Informatische Grundbildung am Hannah-Arendt-Gymnasium
Das Hannah-Arendt-Gymnasium nimmt hier wieder einmal eine Vorreiterrolle ein. Seit dem Schuljahr 2007/2008 erhalten unsere Schülerinnen und Schüler in den Jahrgangsstufen 6 und 7 eine Wochenstunde Unterricht in einem eigenständigen Fach mit dem Namen 'Informatische Grundbildung'. Die Zielsetzunges dieses Fachs sind oben beschrieben. Konkret werden folgende Inhalte in den Jahrgangsstufen behandelt:
Jahrgangsstufe 5:
- Einführung in das Netzwerk der Schule/Elementarer Umgang mit dem Computer
- Informationsbeschaffung aus dem Internet
- Richtiger Umgang mit dem Internet
- Elementare Textverarbeitung
Jahrgangsstufe 6:
- Graphiksoftware, objektorientiert
- Erster Kontakt mit der Programmierung einfacher Graphiken
- Textsoftware, objektorientiert
- Arbeit mit Präsentationssoftware
- Fächerübergreifendes Präsentationsprojekt
Jahrgangsstufe 7:
- Hierarchische Informationsstrukturen – Dateisysteme
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Vernetzte Informationsstrukturen
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Das Internet als vernetzte Informationsstruktur
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Austausch von Information – E-Mail und SMS
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Prinzipien der Softwareerstellung
Die Einführung in die Tabellenkalkulation findet im Zusammenhang mit der Prozent und Zinsrechnung durch das Fach Mathematik statt.
Der Unterricht ist praxisnah und schülerorientiert konzipiert. In der Jahrgangsstufe 6 wird die moderne objektorientierte Sichtweise auf IT-Systeme eher spielerisch erfahren. Dagegen werden in der Jahrgangsstufe 7 vor allem durch die Behandlung hierarchischer und vernetzter Informationsstrukturen grundlegende Kenntnisse über den 'Rohstoff Information' vermittelt. Auch wichtige Konzepte des Faches Informatik und seiner Arbeitsweise können hier behandelt werden. Den Abschluss bildet die Erstellung eines kleinen Softwareprojektes, in dem die Schülerinnen und Schüler erste Erfahrungen mit der Analyse einer Aufgabenstellung, der Planung des Aufbaus von Software und der Realisierung dieser Planung machen.
Wie geht es in den folgenden Jahrgangsstufen weiter?
Wahlpflichtbereich (Differenzierungsbereich), Jahrgangsstufen 8 und 9:
Die Weiterführung eines eigenständigen Pflichtfaches Informatik in den Jahrgangsstufen 8 und 9 ist auf Grund der landesweiten Vorgaben leider nicht möglich. Im Differenzierungsbereich der Jahrgangsstufen 8 und 9 wird aber weiterhin das Fach Informatik als Wahlpflichtfach mit folgenden Schwerpunkten angeboten:
Das Angebot Medien und Informatik enthält Themen aus den Fächern Informatik, Kunst und Politik/Sozialwissenschaften. Es spricht die Schülerinnen und Schüler an, die eher einen kreativen oder künstlerischen Zugang zur den neuen Informtionstechnologien haben.
Das Angebot Robotik / Informatik und Naturwissenschaft spricht die eher klassisch naturwissenschaftlich interessierte Schülerin / den naturwissenschaftlich interessierten Schüler an. Hierbei soll die Beschäftigung mit Robotik in der Jahrgangsstufe 8 über die Informatik hinaus das Interesse an Naturwissenschaften und Technik stärken.
Gymnasiale Oberstufe:
Auf der Oberstufe gehört das Hannah-Arendt-Gymnasium weiterhin zu dem sehr kleinen Kreis von Schulen im Lande, auf denen die Schülerinnen und Schüler Informatik im Leistungskurs wählen können. Im ersten Zentralabitur waren dies landesweit übrigens nur 216 (zweihundert und sechzehn !!) Schülerinnen und Schüler. Eine Bildungspolitische Katastrophe, der unsere Schule auch durch die Einführung des Faches 'Informatische Grundbildung' in den Jahrgangsstufen 6 und 7, durch informatische Angebote im Differenzierungsbereich und durch Grund- und Leistungskurse auf der Oberstufe ein wenig entgegenwirkt.
Georg Kubitz, StD, I&K-Koordinator am HAG
Moderator in der Lehrerfortbildung Informatik auf der gymnasialen Oberstufe
Moderator in der Lehrerfortbildung Informatik für die Sekundarstufe I
