Schulprogramm 2005
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Stand Februar 2006

Leitbild und  pädagogische Grundorientierung am

Hannah- Arendt- Gymnasium

 

Das veröffentlichte Schulprogramm aus dem Jahr 2001 hatte unter der Thematik „Unser Schulprogramm als Selbstvergewisserung über Unterricht, Erziehung und eine `gute Schule` “, auch umfangreiche Ausführungen zu den Wertvorstellungen und Orientierungen der an der Schule Beteiligten, der Schulleitung, den Lehrerinnen und Lehrern, den Eltern sowie den Schülerinnen und Schülern dargelegt. Die Überlegungen und Zielvorstellungen über die Gestaltung pädagogischer, fachlicher und erzieherischer Arbeit am HAG erfüllten dabei durchaus die Aufgabe der Identifikation, ebenso wie die der Orientierung (etwa bei Bewerbungen) und stellten mit den dort aufgeführten zentralen Sinnperspektiven auch eine besondere Stütze für die hier Tätigen dar.

Die weit gefassten Darlegungen sollen nun knapper formuliert werden, um zum einen den aktuellen Reflexionsprozess über konkrete Entwicklungen, Entscheidungen und das Verhalten an der Schule zu erfassen und zum anderen Raum für eine vertieftere  Auseinandersetzung mit diesem Leitbild zu geben.

Als wesentlicher Kristallisationspunkt und damit als eine besondere Leitidee an unserer Schule stellte sich in diesem Jahr in Konferenzen und Arbeitsgruppen die „Förderung selbstständigen Arbeitens der Schülerinnen und Schüler am Hannah- Arendt – Gymnasium“ heraus. Diese Leitvorstellung findet sich auch in den Schriften und den Ideen der Namensgeberin Hannah Arendt wieder. Sie bekennt einmal, dass sie in den Seminaren des Philosophen Martin Heidegger die “Fähigkeit leidenschaftlichen, selbständigen Denkens“ gelernt habe.

 

Leitbild des Hannah- Arendt – Gymnasiums:

 

Die Bildungs -und Erziehungsarbeit am Hannah-Arendt-Gymnasium Lengerich hat zum Ziel, „Sachen zu klären“ (Unterricht)  und „Menschen zu stärken“ (Erziehung). Dabei orientieren sich Schulleitung, Kollegium, Eltern und Schüler in ihrem Denken und Handeln am Leitbild einer humanen, demokratischen Leistungsschule, in der eine Erziehung zum „aufrechten Gang“, zu selbstständigem Lernen und Arbeiten, zu Mündigkeit und Empathie gegenüber anderen, zu Prozessen persönlicher Entfaltung und sozialer Verantwortung angestrebt wird.

Für die Schule, die den Namen Hannah Arendt trägt, ist es eine besondere Herausforderung, die Schülerinnen und Schüler zu selbstständigem Denken und Eigen- Sinn anzuleiten, zu einem „Denken ohne Geländer“, wie die Biographin Ria Endres im Blick auf Hannah Arendt formuliert. Wesentliche Elemente benennt sie dabei in ihrer Aussage: „Dass wir fortan diese drei: Vernunft, Freiheit, Kommunikation  nicht mehr gesondert, sondern als eine Dreieinigkeit denken müssen“.

In ihrer wechselvollen Lebensgeschichte hat sie darum gekämpft, sich eine Haltung zu bewahren, die sie „amor mundi“ nannte, Liebe zur Welt. „In der Erziehung“, so sagt sie, „entscheidet sich, ob wir unsere Kinder genug lieben, um sie weder aus unserer Welt auszustoßen und sich selbst zu überlassen, noch ihnen ihre Chance, etwas  Neues, von uns nicht Erwartetes zu unternehmen, aus der Hand zu schlagen, sondern sie für ihre Aufgabe der Erneuerung einer gemeinsamen Welt vorzubereiten“. 

 

Für das Zentrum ihres Lebens hat Hannah Arendt stets ihre Freundschaften gehalten. Sie hatte, wie der Philosoph Hans Jonas sagte, ein „Genie für die Freundschaft“. Es war ihr ein Bedürfnis, mit Freunden zusammen zu sein, Gespräche zu führen und dabei voller Humor, Heiterkeit und Fröhlichkeit zu sein, auch feiern zu können.

Wenn wir dies umsetzen wollen, wird unsere Schule ein Ort mitmenschlicher Offenheit und Begegnung sein müssen, ein Ort, der Freundschaft und Gemeinschaft erlebbar werden lässt. 

 

Um diesem Anspruch gerecht werden zu können, sind einige als Konsens verabschiedete Beschlussthesen des ersten Schulprogrammkonzeptes auch weiterhin gültig:

 

Das Schulprogramm führt schulische Aktivitäten immer wieder auch auf den Kernbereich – den Unterricht – zurück, so dass eine neue Aufmerksamkeit für die Qualität von Unterricht und von Schule als Ertrag permanenter Bemühung  um Bewahrung und Veränderung, um Bildung und Erziehung entsteht.

 

Qualitätssicherung und -steigerung werden als gemeinsame Aufgabe aller Mitglieder des Kollegiums sowie von Eltern und Schülern verstanden. Dabei muss die Wirksamkeit schulischer Prozesse durch verbesserte Kooperation, klare Absprachen und größere Transparenz der Entscheidungs- und Lenkungvorgänge verstärkt werden, ohne die Persönlichkeitsprofile der Lehrenden einzuebnen.

 

Der Arbeitsplatz Schule ist als Ort humaner Lebens- und Umgangskultur zu behaupten, als Ort lernanregender und menschlich bereichernder Atmosphäre zu gestalten, der auch zu Offenheit und Vertrauen motiviert und so für ein Kollegium Ressourcen zur Regeneration von Lehrerprofessionalität aufbaut.

 

Über gemeinsames selbstbestimmtes Tun wird die Identität mit der Schule, dem HAG, nach innen und außen gestärkt.  Stolz auf bisher Erreichtes kann man dann mit selbstkritischer Sicht eigene Defizite, aber auch die Überzeugung nach notwendiger Weiterentwicklung erkennen.

 

 

Ulrich Netkowski

 

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